Ich kann gar nicht genau sagen, wie lange ich meine Website jetzt schon habe, aber es ist solange, dass man nicht einfach beschließt alles über Board zu werfen, nur weil der eigentliche Grund, warum man damals die Seite eröffnet hat – mehr oder weniger – nicht mehr existent ist.
Damals – als ich noch jung und unschuldig war – war die Welt des Internet noch eine andere und eine Website auf der man seine kreativen Ergüsse veröffentlichte, hatte tatsächlich noch Besucher. Deutsche FanFictions wurden aufgesaugt und Wallpaper auf dem Desktop gehortet, als würde man sie nie wieder finden. Und heute? Heute kann man im Internet alles bekommen, wenn man weiß, wo man es findet. Da wartet man nicht mehr sehnsüchtig darauf, dass ein Buch auf dem deutschen Markt erscheint oder eine Fernsehserie endlich ihren Weg ins deutsche Fernsehen findet, Inhalte im Überfluss und ohne Grenzen und ich schätze, dass ich in all dem Überkonsum meine eigene Kreativität verloren habe – okay, meine Muse, ein Hybrid namens Michael, hat mich da einfach sitzen gelassen. Aber um ehrlich zu sein, die Trennung war in diesem Punkt nicht wirklich schmerzhaft. Fanfictions konnte ich sowieso nicht mehr schreiben, weil erstens das konzentrierte Fandom fehlte und ich irgendwann einfach der Meinung war, dass die Autoren ihre Serien genauso schreiben, wie sie sein sollten. Tja und die Abteilung Wallpaper fiel wohl meinem eigenen Perfektionismus zum Opfer.
Also, was packt man denn sonst drauf? Ich habs mit Rezensionen versucht, aber ehrlich meine Reviews zu Filmen, die ich gesehen habe, kann man auch in die Tonne kloppen. Ja und ihr braucht mit jetzt nicht mit Süßigkeiten füttern, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich klatsche einfach ein paar Sätze hin und komme am Ende zu 90% zu der Feststellung, dass es ein schöner Sonntagsnachmittagsfilm ist. Damit kann man locker den Pulitzer-Preis gewinnen. Und meine paar Wörtchen zu den Büchern, die ich gelesen habe, da bin ich mittlerweile schlichtweg zu faul, dass alles immer brav doppelt zu posten. Sind wir auch hier mal ehrlich, die Bandbreite von Urban Fantasy, Paranormal Romance und Romantic Suspense hält sich arg in Grenzen, in 95% aller Bücher dieses Genre geht es doch in Prinzip um dasselbe – Held trifft auf Heldin, finden sich toll, obwohl sie sich eigentlich gar nicht mögen, irgendetwas Gefährliches passiert, sie sind wütend ein paar Seiten und am Ende heißt es “happily ever after”. Genau das will ich haben, wenn ich solch ein Buch in der Hand habe und will auch den attraktiven Helden sabbern, auch wenn das manchmal schwer fällt, vor allen Dingen wenn er furchtbar lange Haare hat und Schmuckgegenstände am Kopf trägt, die unglaublich unattraktive Bilder in meinem Gehirn verursachen.
Wie wäre es mit dem Mode- und Kosmetikblog? Ja, ich hab euch alle ganz laut Lachen gehört. Auch wenn ich jeden Tag was anziehe, mir ein bisschen Puder aufs Näschen klopfe und die Wimpern einmal überbürste, ist mein Interesse soweit davon entfernt, wie Bushido von der Homosexualität. Ein Nagellack-Blog??? Ich habe drei kleine Fläschchen in der völlig falschen Umgebung stehen, Unterlack, weißer Nagellack und einmal Überlack. Da fällt es schwer eine Auswahl zu treffen, welchen man zuerst aufträgt. Außerdem bin ich der Meinung, dass nicht jeder Nagellack tragen sollte. Männer schon mal gar nicht – ja, in diesem Punkt werde ich erzkonservativ. Aber ich will mich nicht weiter darüber auslassen, weil die meisten schon zu lachen anfangen, wenn ich sage, dass ich Knöpfe ein bisschen ekelig finde (Ja, ich meine das äußerst ernst. Über Knöpfe mache ich absolut keine Witze.). Sagen wir einfach Britney Spears sollte niemals nie welchen tragen, während Jessica Alba soviel und so oft welchen tragen kann, wie sie will. So wie es aussieht ist ein GirlyGirl-Blog auch nichts für mich.
Vielleicht sollte ich zum zynischen Weltverbesserer werden und darüber schreiben, was ich in der Welt alles so Scheiße finde, um mein Publikum davon zu überzeugen, dass meine Meinung die einzig Wahre ist? Meine eigene Meinung habe ich definitiv, aber wer will schon von mir darüber belehrt werden, wie gerade der Bleistift auf dem Schreibtisch liegen muss, nur weil ich der Ansicht bin, dass ein 90° Winkel die einzige richtige Entscheidung dafür ist. Könnte die Welt besser werden? Mit Sicherheit. Kann ich die Welt verbessern in dem ich mit Zynismus darüber schreibe? Eher weniger.
Was soll ich hier dann nur veröffentlichen? Ich habe keine Ahnung, also wird diese Seite wohl weiter vor sich hinwabern und darauf warten, dass mir meine Muse Michael ein bisschen Erleuchtung schickt, bis dahin trinke ich Cola und esse Gummibärchen.
Live long and prosper,
Anja



